Bruttoarbeitnehmerstunden

Wir haben uns in den letzten Tagen viele Gedanken gemacht um dieses Blog. Darum, was wir anders machen wollen, als andere. Bei der Gelegenheit kam auch zur Sprache, dass Preise, dort wo wir sie nennen werden eine sehr ungenaue Angabe sein können. Besonders auch im Kontext, dass wir jetzt schon seit einigen Jahren Reiseberichte schreiben aber auch im Kontext dieses Blogs, das ja ebenfalls nicht nur für den Augenblick geschrieben sein soll, wollen wir das genauer machen.

Wer weiß z.B. heute, wenn er in einem historischen Reisebericht liest, der Autor habe „einen Kreuzer“ bezahlt, wieviel Geld das seinerzeit war? Klar, Historiker können das für uns in einen Kontext setzen. Aber wenn wir heute schreiben, ein Glas Champagner habe 2013 in Reims 9 Euro gekostet, dann kann das schon in fünf oder zehn Jahren – je nach Höhe der Inflation und der Entwicklung der Reallöhne ein Preis sein, von dem niemand mehr einschätzen kann, wie hoch das eigentlich im Jahr 2013 war.

Wir haben uns daher geeinigt, hinter Preisen, die wir nennen, in Klammern eine Umrechnung vorzunehmen. Als Einheit, die über die Zeit einigermaßen vergleichbar bleibt, bietet sich unsere Erachtens der Aufwand an, den ein Arbeitnehmer mit einem Durchschnittseinkommen leisten muss, um den jeweils erwähnten Preis BRUTTO zu erwirtschaften.

Wir werden also hinter jedem Preis in Euro oder einer anderen Währung den Preis in ANh (durchschnittliche Bruttto-Arbeitnehmerstunden) bzw. ANmin (durchschnittliche Brutto-Arbeitnehmerminunten, wenn weniger als eine ANh errechnet würde) angeben.

Ja, uns sind die Problematiken bewusst, die mit einer solchen Vorgehensweise einhergehen. Kein Arbeitnehmer erhält sein Bruttogehalt in die Hand. Kein Arbeitnehmer kann entsprechend von seinem Bruttoverdienst den von uns angegebenen Preis bezahlen. Und natürlich gehen die Schwierigkeiten beim Begriff „Arbeitnehmer“ unmittelbar weiter. Die Fragestellung, wieso jemand, der seine Arbeit gibt und dafür von dem, der sie abnimmt Geld erhält „Arbeitnehmer“ und nicht „Arbeitgeber“ genannt wird, werden wir hier entsprechend ausblenden. Wir werden uns an die gängige der beiden möglichen Definitionen halten, welche denjenigen, der eine Arbeit gegen Geld erbringt als „Arbeitnehmer“ bezeichnet.

Es ist uns darüberhinaus bewusst, dass der durchschnittliche Brutto-Stundenlohn, wie er vom Bundesamt für Statistik einmal jährlich veröffentlicht wird (21,54 Euro/h in 2013), vielen „Einflussfaktoren“ unterliegt. Einflussfaktoren, die diesen Wert ungenau und auf Dauer zumindest nicht bis auf die Nachkommastelle vergleichbar machen. Vor allem auch, weil nur Arbeitnehmer betrachtet und Arbeitslosigkeit in dieser Statistik völlig ausgeblendet wird. Die hier zu Grunde gelegte Bruttoarbeitnehmerstunde kann also keineswegs als „durchschnittliches pro kopf Einkommen“ o.ä. missdeutet werden.

Natürlich nimmt die Politik, namentlich die Parteien, welche die Regierung tragen, durch legislative Maßnahmen Einfluss darauf, wie das Statistische Bundesamt diese Werte berechnet. Natürlich werden diese Werte dabei immer wieder so verfälscht und uminterpretiert, dass monetäre und wirtschaftliche Entwicklungen, die zu Ungunsten der Arbeitnehmer bzw. der Mehrheit der Wähler ausfallen, möglichst nicht zu Ungunsten der Anzahl der Wählerstimmen für die jeweilige Bundesregierung beitragen.

Andererseits haben wir selbst weder die fachliche Kompetenz noch eine ausreichende Datenbasis, um die Zahlen des Statistischen Bundesamtes in der Form in Zweifel zu ziehen, in der kompetente kritische Wirtschaftswissenschaftler das Jahr für Jahr machen. Andererseits aber denken wir, dass über die Länge der Zeit betrachtet, alle Regierungen versuchen werden, diese Zahlen des Statistischen Bundesamtes in der selben Weise zu manipulieren. So entsteht auf Dauer gesehen dann doch eine relativ gute Vergleichbarkeit der Werte.

Zumal es auf lange Sicht betrachtet u.E. nun wirklich keine Rolle spielt, ob das o.e. Glas Champagner in 2013 nun eher die errechneten 25 ANmin oder eher aus dem einen Grund nach unten korrigierte 18 ANmin oder aus dem anderen Grund nach oben korrigierte 32 ANmin kostet. In 10 – 15 Jahren wird es Inflationsbedingt ca. den doppelten Preis in Euro kosten. Interessant wird dann nur noch der Vergleich sein, was ein vergleichbares Glas Champagner in der Brutto-„Kaufkraft“ der dann herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse kostet.

Wir hoffen Euch, die Ihr diesem Blog folgt und auch denen, die es nur gelegentlich lesen oder zufällig darauf stoßen, dennoch und trotz aller oben ins Kalkül gezogenen Bedenken, mit der entsprechenden Angabe einen Wert zu liefern, der für Euch und Euer Verständnis dessen, was unsere Berichte aussagen wollen, von Bedeutung ist und Euch einen Mehrwert liefert. Wenn Ihr das nicht so seht, unsere Angaben für Unsinn oder irreführend haltet, dann steht Euch der Kommentarbereich zu diesem Artikel gerne für Diskussionen mit uns zur Verfügung. Ihr könnt aber Informationen, die Ihr für unsinnig haltet gerne auch einfach ignorieren und dennoch den restlichen Informationswert unserer Artikel genießen – oder einfach nur die schönen Bilder ansehen 😉

Für die Beiträge bis zur Veröffentlichung neuer Zahlen durch das statistische Bundesamt werden wir also den Wert für 2013 mit 21,54 Euro = 1 ANh zu Grunde legen.

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