jacked S

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Das ist jetzt wirklich schade. Da hatten wir diesen jungen Mann („Andreas Babo“ nannte er sich auf Facebook), der fragte angesichts dieses Bildes: „Wo bitte ist das noch Kunst?“

Zuerst hatte ich gehofft einen gefunden zu haben, der nach Beuys einen völlig neuen Zugang zur Kunst gefunden zu haben glaubte. Einen Zugang, der trotz Beuys Auffassung von einem „erweiterten Kunstbegriff“ und der Folgen die Frage: „Wo bitte ist das noch Kunst?“, in einen sinnvollen Kontext stellen könnte. Einen, der mit dieser Frage intellektuelle Herausforderung durch Provokation suchte.

Leider entpuppte er sich im weiteren Verlauf des Gespräches nur als ein ungebildeter Cretin. Das ist schade. Hätte er auch nur ein Nach-Beuys’sches Argument für den Sinn seiner Frage gebracht, hätte ich ihm ein Remis angeboten. Zum Beispiel auf Basis des Picasso-Zitates von 1926

„Sie erwarten von mir, dass ich Ihnen sage, dass ich Ihnen definiere: Was ist Kunst? Wenn ich es wüsste, würde ich es für mich behalten.“

Aber, wie es für dieses Medium üblich ist, glaubt zwar jeder eine Frage stellen zu können, die Antwort hingegen, sich bereits durch die Frage als Dumpfbacke entlarvt zu haben, ertragen die wenigsten. So löschte auch der Junge, der die Frage auf Facebook stellte, seine Einlassung inzwischen wieder. Er ertrug es offenbar nicht, sich selbst vorgeführt zu haben.

Ich bin nach meinem Selbstverständnis kein Künstler. Ich bin Fotograf.

Dennoch würde ich gerne dem, der speziell diese Bild für profan hält folgendes Gedankenexperiment anbieten.

  1. Suchen Sie sich ein Model, eines das die Pose dieses Bildes tatsächlich (rein körperlich) beherrscht.

1.a (Für hartgesottene folgende Nebenbedingung: Für dieses Bild hatten wir ein Model, das zum ersten Mal vor einer Kamera stand.)

  1. Sagen Sie Ihrem Model Sie wollen mit ihm bei uns im Studio auf TfP-Basis shooten.
  2. Kommen Sie mit Ihrem Model zu uns.

  3. Wir stellen Ihnen alles. Eine Stunde Studiozeit, Licht, Hintergründe, Kamera (wenn sie keine eigene haben) und zur Entwicklung einen Rechner mit Lightroom und Photoshop.

  4. Dann zeigen Sie, dass Sie dieses Bild mit Ihrem Model und Ihren Möglichkeiten nachstellen können.

Das war dann zwar kein kreativer Akt, den sie da vollbrachten. Es war dann das bloße Nachempfinden einer bereits bestehenden Fotografie. Aber wenigstens handwerklich haben Sie und Ihr Model dann das geleistet, was für dieses Bild handwerklich geleistet werden musste.

Auf die Frage: „Wo bitte ist das noch Kunst“ antworten wir dann vielleicht gemeinsam:

„Es ist Handwerk. Fotografie. Lichtmalerei“.

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