Gabriele Pagels HIP – Leipzig

HIP ist ein „Highly Individual Place“, so die Definition seiner Erfinderin Gabriele Pagels. Für uns ist eine persönlich gehostete, private Unterkunft die logische Konsequenz für unseren aktuellen Aufenthalt in Leipzig. Mit dem Hotel, das wir für unseren Aufenthalt im August ausgewählt hatten, waren wir ja ziemlich auf dem Bauch gelandet.

Im HIP der Frau Pagels hingegen ist alles anders. Alles nicht nur gut

So wird man im HIP in Empfang genommen
So wird man im HIP in Empfang genommen

sondern besser, als wir es in einem Hotel vorfinden würden oder je vorgefudnen haben – soviel sei vorweggenommen. Schon das erste Versprechen: „Sie werden hier vor der Haustür immer einen Parkplatz finden wird am Abend unserer Anreise eingehalten. Auch bei jeder der folgenden Gelegenheiten, ob wir tagsüber zurückkommen oder spät in der Nacht: nie laufen wir mehr als ein paar Meter bis zur Haustür. Auch die Werbeaussage: Fitnesstudio 2 min von hier stimmt zu 100%, wenn man langsam geht 😉 sonst dauert es höchstens 1 min.

Wir sind also angekommen und fahren mit dem Aufzug ins vierte OG, wie Frau Pagels uns an der Türsprechanlage aufgefordert hat. Dort steigen wir zum letzten Mal während unseres Aufenthaltes auf der Flurseite aus dem Aufzug. Denn als nächstes werden wir einen Haustürschlüssel erhalten, der es uns auch ermöglicht, mit dem Aufzug direkt ins HIP zu fahren.

Schwenk Flur, Küche und Esszimmer

Kaum sind wir durch die Tür, gehen uns schon die Augen über. Schöne hohe – selbst jetzt in der Nacht helle Räume, in einer äußerst loftigen Maisonette-Wohnung im Obergeschoss eines renovierten Altbaus nehmen uns in Empfang. Der warmherzige Empfang durch Frau Pagels rundet diesen ersten Eindruck angenehm ab. Erstmal Koffer abstellen, nach 6 Stunden Autofahrt raus aus den Schuhen und einmal auf die Toilette.

Blick vom Badezimmer ins ehemalige „graphische Viertel“ – Leipzig

Schon wartet die nächste Überraschung auf uns: Begrüßungsschluck, nennt sich die offizielle Bezeichnung im HIP. Frau Pagels hat im Wohnzimmer eine Flasche Champagner für uns geköpft. Ja, ja, ich weiß „Sekt in Flaschengärung“ muss das in Deutschland Markenrechtlich korrekt heißen. Wir allerdings stoßen mit der Gastgeberin an und trinken den edlen Tropfen aus Schloss Affaltrach (mit dem HIP-Custom-Ettikett) als das was er ist: Champagner vom feinsten – ohne „rote Mütze“ wie nicht zu Unrecht betont wird.

Unaufdringlich begleitet wird unser Gespräch von Hintergrundmusik, die von der Gastgeberin geschmackvoll ausgewählt wurde. Schnell fühlen wir uns sehr vertraut. Immerwieder verrutscht ihr oder uns ein Sie ins Du – unabsichtlich, unauffällig, ohne das irgendwer dran Anstoß nähme oder nur einen Grund sähe „höchst-offiziell“ ein „Du“ anzubieten.

Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, das HIP schon fast auf einen Blick

Wohnzimmer, Esszimmer, Küche, das HIP schon fast auf einen Blick. Hier saßen wird für den Begrüßungsschluck mit Gabriele Pagels.

Was folgt ist eine erste lange, gemütliche, höchst informative Plauderei mit unserer Gastgeberin, welche zu unserer großen Freude in den nächsten Tagen nicht die Letzte bleiben wird! Gabriele Pagels ist nicht einfach eine Zimmerwirtin, die zum Auftakt nur nett sein will, damit die Gäste sich schnell wohl fühlen. Wir spüren: Sie lebt das HIP. Oder wie sie es ausdrückt: „Wohnen ist mein Hobby“! Es gibt keinen noch so kleinen Fleck in der ganzen Wohnung, an der man die Liebe zu Detail, die nur ein gelebtes Hobby zu Tage fördern kann, nicht erkennen würde. Und das HIP leben, heißt offenbar auch Gäste als Personen zu schätzen, nicht nur als zahlende Kundschaft.

Der Gemütlichkeit fällt nebenbei die ganze Flasche Schampus zum Opfer. Nach der langen Reise haben wir keine Lust mehr, unser Abendessen selbst zuzubereiten. Obwohl die Küche des HIP dazu mehr als geeignet wäre und genügend „Material“ und Anregungen böte. Stattdessen verlassen wir das HIP zu Fuß Richtung Innenstadt. Gabriele Pagels hat uns mit einer ganzen Reihe von Tipps für jeden Geschmack ausgestattet. Wir haben uns kurzentschlossen und wollen zunächst mal sehen, was das Cafe Madrid an Tapas zu bieten hat. Zu Fuß sind das vom HIP nicht mehr als 10 Minuten (davon 5 bis zum Augustus-Platz, dem Eingang zur Fußgängerzone aus unserer Richtung kommend). Auch das direkt um die Ecke gelegene Petit Paris in der Rosa-Luxemburg-Straße, das am nächsten Morgen für unser Frühstück sorgen wird, ist ein Tipp aus diesem Gespräch; „Der einzige Ort Leipzigs, an dem man nicht komisch angeschaut wird, wenn man schon vor 18 Uhr Champagner bestellt und an dem man dann auch wirklichen Champagner bekommt.“

Am Ende waren wir uns im Gespräch so vertraut geworden, dass wir schon überlegten unsere Gastgeberin zum Essen einladen und ausführen zu wollen. Aber: hatten wir ihre Zeit nicht schon über Gebühr in Anspruch genommen? Wir trauten uns nicht zu fragen. Zumal Gabriele Pagels betont hatte noch in die organisation eines Events in den nächsten tagen eingespannt zu sein.

Grabriele Pagels HIP - Lage und ÖPNVerkehrsplan

Grabriele Pagels HIP – Lage und ÖPNVerkehrsplan

Wer kann es Gabriele Pagels verdenken, dass sie in dieser Wohnlage auf ein eigenes Auto verzichtet. Von hier aus ist wirklich ganz Leipzig, soweit es mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen ist, bequem entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit der StraBa und Bus zu erreichen. Wie viel besser könnte eine Privatunterkunft noch liegen?

 

Direkt um die Ecke hat es dazu touristische Ziele ohne Ende. Das

Clara und Robert Schumann Haus vom Balkon des HIP gesehen. Zu gerne hätte ich hier vor 175 Jahren Mäuschen gespielt, wenn einer der beiden am Klavier saß.

Haus, das Klara und Robert Schumann in den ersten vier Jahren ihrer Ehe bewohnten und in dem bis heute das Museum und die Gedenkstätte für das Werk beider untergebracht ist, kann man vom Balkon des HIP aus fast anfassen. F.A. Brockhaus, Mendelsohn und Gellert wohnten und wirkten hier. Der alte Johannisfriedhof, auf dem einst Johann-Sebastian Bach (vor seiner Umbettung in den Altarraum der Thomaskirche) bestattet wurde ist nur 3 Minuten zu Fuß entfernt. Dort finden sich heute noch die Grabmale der Familie Brockhaus, der Schwester Wagners, großer Leipziger Verlegerfamilien wie Teubner und von Charlotte Wilhelmine Krug (geb v. Zenge, die Braut die ihren Heinrich von Kleist nicht heiraten konnte/wollte). Unmittelbar daneben liegt das bekannte Leipziger Grassimuseum.

Überhaupt liegt das HIP mitten im ehemaligen Graphischen Viertel das seinerzeit aus der Ostvorstadt Leipzigs hervorging. Ja, das graphische Viertel, das Leipzig seinerzeit zur Buchhandels- und Verlagshauptstadt Deutschland und Europas, wenn nicht der damaligen Welt machte. Das Reclam-Karree liegt unmittelbar vor dem großen, hellen Fenster unseres Schlafzimmers. Vom

Blick in das ehemalige
Blick in das ehemalige „graphische Viertel“

Badezimmer schauen wir auf die Häuser, in denen die großen Druckereien, Buchbindereien und Verlage des 18., 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts arbeiteten. Die Leipziger Notenspur führt quer durch das ganze Viertel und säumt unseren Fußweg in Richtung Zentrum.

 

Schlafzimmer und das Badezimmer sind ganz für uns alleine da. Rauchen könnten wir auf dem Balkon in einer extra gemütlich eingerichteten Raucherecke. Zum ersten Mal im Leben bedauere ich Nichtraucher zu sein. Das Wohn-Esszimmer und die Küche teilen wir uns mit der Gastgeberin, die mehr als ausreichend für das leibliche Wohl vorgesorgt hat. Gabriele Pagels hat ihr eigenes „kleines“ Reich eine Treppe höher.

 

Schwenk über Balkon mit gemütlicher Raucherecke, Wohnzimmer und Esszimmer
Schwenk über Balkon mit gemütlicher Raucherecke, Wohnzimmer und Esszimmer

Das Schlafzimmer ist, wie alles hier geschmackvoll eingerichtet. „Designerloft“ – so das Selbstverständnis, ist sicher keine Untertreibung. Bett, Schreibtisch, Kleiderablage, Sitzgelegenheit, ein Gästebuch, das schon fast voll ist, unzählige Bücher laden zum

Lost-Places-Leipzig

Schmökern ein. In der Ecke unter einer Lampe: „Lost Places Leipzig“. Wären wir nicht wg „Gothic Meets Klassik“ hier, dann wg. Daniel und Conny und wären wir nicht wg Daniel und Conny hier, dann sicher wg. URBEX (Urban Exploration) wie das Erkunden und Fotografieren von Lost Places inzwischen international „offiziell“ heißt. Ich sollte wohl gestehen, dass unser Leipzig-Programm dieses Mal so stramm war, dass wir in das Buch nicht einmal hinein gesehen haben – Papier ist halt geduldig 😉

Sollen wir das Bett ansprechen? Ja, wir sollen. Es steht auf der Website und dennoch sind wir erst ein wenig erschrocken, wie schmal uns 1,40 m auf den ersten Blick vorkommen. In den Nächten dann stellt sich allerdings heraus, dass 1,40 m zu zweit auch sehr kuschelig sein können. Und so genießen wir und schweigen wie Gentlemen.

Für vier Nächte im HIP inkl. individueller Betreuung, unseres Informationsbedürfnisses die Touristischen und Historischen Zusammenhänge betreffend, durch Frau Pagels bezahlen wir 360 Euro (16,71 ANh). Ein mehr als nur angemessener Preis. Und Frau Pagels ist ja nicht irgendwer, sondern eine bestens vernetzte Fachfrau in Sachen Reisen und Events.

Wo sonst?
Wo sonst?

Fazit: Soweit wir bei einem nächsten Besuch in Leipzig nicht bei Conny und Daniel privat übernachten, würden wir jederzeit wieder in das HIP der Gabriele Pagels ziehen wollen. Oder wie sie selbst es ausdrücken würde: „Wo sonst?“

Ab hier sollten wir dann – finde ich, die Bilder für sich sprechen lassen.

Wer wissen möchte, wie unser Abschiedsgeschenk für Gabriele Pagels aussieht – das in diesem Tagen in die Post gehen wird: Stay tuned! Der Artikel ist schon geschrieben und wird nach einer (aus anderen Gründen selbst auferlegten) „Sperrfrist“ am 21.11.2014 erscheinen.

 

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