Gothic meets Klassik  – oder Schwarz geht immer und überall ! 

Unser eigentlicher Grund nach Leipzig zu reisen, neben all den netten und liebenswerten Menschen hier, war dieses mal das „ Gothic meets Klassik “ Festival das vom 1. bis 2.11. 2014 stattfinden sollte.

Conny hatte uns davon bei unserem letzten, viel zu kurzen Besuch, im August mit leuchtenden Augen berichtet. Neben dem  Wave-Gotik Treffen das alljährlich zu Pfingsten  ganz Leipzig mit schwarz gekleideten Menschen überzieht, ist dieses Event DAS zweite alljährliche Highlight in der schwarzen Szene.

Was ich u.a. an Micha so liebe, er ist aufgeschlossen für „neue“ Musik und stürzt sich dabei voll Freude in das Erlebnis eines jeden Konzert mit ihm unbekannten Bands. Knöchern und alt geht echt anders, und ich kenne 20 jährige die dagegen mal so richtig altbacken wirken.

So war für uns beide recht schnell klar, wir fahren zum Festival. Irgendwie haben wir es aber beide geschafft, das übliche Prozedere mit Karten besorgen/Tickets buchen außer acht zu lassen. Jeder war irgendwie der Meinung, der andere würde sich drum kümmern… und so standen wir am 30.10. am Abend der Anreise in Leipzig und entgegen Micha’s sonstiger hervorragender Planung ohne Tickets.

Ticket für den ersten Abend von Gothic meets Klassik 2014 im Haus Auensee in Leipzig
Ticket für den ersten Abend von Gothic meets Klassik 2014 im Haus Auensee in Leipzig

Schöner Mist, aber wir haben ja noch den morgigen Freitag, besorgen wir uns bei den üblichen Vorverkaufsstellen eben Karten beruhigten wir uns.

Äh. Wie , die feiern hier morgen den Reformationstag?! 

Feiertag ??

Ooops.

Aber, Moment … am Samstag ist doch auch Feiertag (Allerheiligen) und nun fiel mir wirklich erst mal die Kinnlade runter. (Zum Glück war’s dann doch nur der Freitag, der uns fehlte – denn beide Feiertage: das war wohl auch den Sachsen zu viel).

Am Freitag hoffnungslos Tickets zu bekommen, jedes Verkaufsbüro war schlicht geschlossen und wir verbrachten den Nachmittag in Dresden mit einer anderen Twitter – Freundin @einfachblau, die mit der Band Klangteppich selbst Musikerin und eine ganz wunderbare Stadtführerin ist .

Samstags zogen wir nach einem ausgiebigsten und von der Sonne verwöhnten  Frühstück im Spizz am Marktplatz alle zusammen durch Leipzigs Innenstadt, immer zwischen Vorverkaufsstellen und Gothic-Bekleidungsläden wechselnd, von denen wir an diesem Samstag immerhin 3 besuchten. 

Je größer auch die gefüllten Einkaufstüten wurden, und die Zeit verging, es gab einfach nirgends mehr Tickets für uns.

Die letzte Hoffnung dann, je weiter der Tag voranschritt: jemand verkauft uns Abends vor dem Haus Auensee noch ein paar Kombi-Tickets und wir sitzen im schlimmsten Fall im Gewandhaus beim festlichen Abend am Sonntag irgendwo getrennt. 

Kriegen wir hingegen gar keine Tickets, machen wir eben vergothiced eines der Leipziger Kinos unsicher!

Ein schnelles , wenn auch nur mäßiges Essen hatten wir im Anschluss an unsere Innenstadttour im Pepperhouse . Eigentlich nichts wo wir jemanden hinschicken würden, aber es musste schnell gehen – die Styling Aktivitäten für den Abend waren anschließend nämlich , ähm , eher umfangreich – und etwas zeitraubender 😉 Unser Daniel brachte das sehr gut auf den Punkt: „Oh oh, ich armer Mann – 2 Frauen und nur ein Badezimmer!“  

Fertig gestylt saßen wir – zeitlich etwas knapp- im Auto , und was soll ich euch sagen, noch während wir uns per Navi den Weg durch Leipzig suchten, standen unsere Freunde vor dem Haus Auensee und ehe wir den Parkplatz erreichten, hatten sie tatsächlich ZWEI Kombitickets für uns aufgetan #hach ❤ 

Die Abwicklung der Ticketkäufe durch den Zaun erinnerte mich irgendwie an „Gefängnishof-Dealerei“ , aber hey, wir waren glücklich, und haben auch in letzter Minute faire Preise bezahlt. Kein Nepp! 

Die treibenden Bässe von Unzucht  wummerten  durch die Eingangshalle uns entgegen und uns wurde beiden ziemlich schnell bewusst: das wird laut 😉

Drinnen eine tanzende Menge in Schwarz. Aber Schwarz ist nicht = schwarz . Jeder schuf sich seinen Raum für jede Menge Individualität und so friedfertig die Freunde des EBM + Gothic auch sind , so sehr ist das „Sehen und Gesehen werden“  dort ein Bestandteil der Szene.

Nach einer kurzen Umbauphase betraten Solitary Experiments die Bühne, die eher aus der äußerst tanzbaren Elektro Ecke kommen und auf die ich mich sehr gefreut habe. Sie waren, wie viele andere Bands auch, eine Entdeckung die ich vor Jahren auf der Plattform last.fm kennen- und lieben gelernt habe.

Beats die pushen, den Körper immer weiter treiben, doch leider gesanglich an diesem Abend ( das Warum konnten wir erst am Sonntag nach einem Gespräch mit Dennis Schober dem Sänger plausibel nachvollziehen) nicht ganz auf der Höhe, bzw. wie gewohnt von CD und anderen live Mitschnitten die man so zu hören bekommt.

Zum Tanzen und Treiben lassen hat es allerdings MEHR als genug gereicht, und danach sollten wir den „Knaller“ des Abends erleben: Suicide Commando .

Dass die Kuppel des Konzertsaales in Haus Auensee nicht in den seismischen Wellen des Harsh Elektro Industrial in sich zusammenstürzte grenzte für mich an ein Wunder. Wir zogen uns seitwärts in eine Art Nebenraum zurück, aber es gab kein Entkommen vor den Schallwellen und Micha wurde trotz Ohrstöpsel regelrecht übel und gegen Ende ihres Auftritts verliess er die Halle um sich ein wenig im Auto auszuruhen. Obwohl ich liebend gerne noch Mono Inc sehen wollte – siehe Video unten – , verliess ich kurz darauf bei Frontline Assembly auch die Halle, denn mir dröhnte der Schädel ganz gewaltig.

So cool die Beats, so klasse die Menschen dort, die Ordnungskräfte ließen immer wieder mal das „gute alte DDR Feeling “ aufleben. Unfreundlich und harsch, man hatte das Gefühl sie brachten ihre persönliche Überforderung damit zum Ausdruck auf Krawall gebürstet zu sein, was sich angesichts der friedlichen Menge als total daneben anfühlte.

Als wir nach kurzem Nickerchen im Auto wieder zu uns kamen, beschlossen wir nicht mehr ins Konzert zurück zu kehren, sondern stattdessen ins HIP zu fahren und erst mal ordentlich auszuschlafen.  

Alter Johannisfriedhof - Gruftverzierung
Gruftverzierung Alter Johannisfriedhof Leipzig

Sonntag – Morgen . Räkeln. Den blauen Himmel vom Bett aus bestaunen, noch mal Kuscheln und über den verschmierten Lidstrich beim Liebsten lachen.  Aber dann wurde es Zeit für einen Foto – Spaziergang über den nur 2 Blocks entfernten Alten Johannisfriedhof  (Bald schon mehr davon hier im Blog !) Das Grassi-Museum für Angewandte Kunst liegt übrigens direkt angrenzend  und man kann ohne eine Straße zu betreten durch die schönen Bögen des Grassi Baus schlendern und dem Museum einen Besuch abstatten.  Für ein Frühstück wars dann aber doch zu spät, und ein blaubeeriger + Mozarella-Tomate Happen  bei MC Café und 2 Latte Macciato auf die Schnelle mussten reichen, waren wir doch mit den Freunden bei der Alten Spinnerei verabredet.  Der Nachmittag verflog fotografierend, schlendernd, plaudernd wie im Flug und vor dem großen Ereignis trafen wir uns zu einem gemütlichen Essen im Vapiano am Augustusplatz, schräg gegenüber vom Gewandhaus. Die Menschenschlangen an der Essens-Ausgabe ein Meer in Schwarz, wallende Roben , große Dekolletees , Korsagen, Leder, Lack und alles wirkte etwas skuril – wie man da ganz banal auf seine dampfende Pasta wartete.

Gut gesättigt und bester Laune zogen wir ins Gewandhaus weiter, wo wir uns dann -leider – am Eingang trennen mussten. Micha saß in der Mitte frontal zur Bühne weiter oben, die lieben Freunde rechts oben an einem Balkon und ich durfte links von der Bühne in der 3. Reihe Platz nehmen.  Sehr unterschiedliche Perspektiven, wie man auch an unseren Bildern bei Flickr  sehen kann,  aber der Hörgenuss war definitiv überall gleich gut.

Eröffnet wurde der Abend von Dennis Schober, dem Sänger von Solitary Experiments. Sichtlich und hörbar aufgeregt angesichts der Herausforderung begrüsste er uns und das Sinfonieorchester Zielona Gora, wobei ihn jedesmal aufs Neue der Name der polnischen Stadt ins Wanken brachte.  Jedoch mit den ersten Klängen die das Orchester anstimmte verschwand die Aufregung zusehends, und er nahm uns stimmsicher mit auf eine musikalische Reise mit ungeahnten Interpretationen der schon bekannten Stücke. Jedes Lied, jeder Applaus brachten die gewohnte Sicherheit zurück und nach gut 45 Minuten jubelte ihm und dem Orchester der ganze Saal zu. So gefühlvoll und mitreißend, Bravo!  

Pause beim Gothic meets Klassik im Gewandhaus, und wir konnten uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen ein Erinnerungsfoto zu schießen.
Dennis Schober von Solitary Experiments mit Conny + Daniel – Gewandhaus Leipzig Gothic meets Klassik 2014

In der  Pause hatten wir Gelegenheit uns bei ihm für die mitreißende Performance zu bedanken , und bei einem kurzen Gespräch klärte sich auf, daß er am Vorabend mit Bedacht seine Stimme für diesen Abend geschont hatte.

Nach der Pause erwartete uns ein musikalisches Erlebnis, das man so schnell nicht wieder vergisst. Frontline Assembly dominierten mit ihren kraftvollen Synthesizern und Bässen das Orchester, es war eine Klangfülle auf der Bühne, für die teilweise ein Paar Ohren nicht ausreichte. 

Frontline Assembly - Gewandhaus Leipzig Gothic meets Klassik 2014
Frontline Assembly – Gewandhaus Leipzig Gothic meets Klassik 2014

Teilweise anstrengend aber auch „Wooooh!“ und noch nie in dieser Form so gehört!

 Der 3. Teil jedoch war das emotionale Herzstück. Der Auftritt von Martin Engler, dem Sänger von Mono Inc.  Während der Proben zum diesjährigen Gothic meets Klassik hatte er sich schwer verletzt, und konnte nur im Rollstuhl beide Konzerte „überstehen“.

Martin Engler - Mono Inc. Gewandhaus Leipzig Gothik meets Klassik
Martin Engler – Mono Inc. Gewandhaus Leipzig Gothik meets Klassik

Stimmlich natürlich  gehandikapt, aber voller Emotionen und  des Willens in beiden Konzert-Teilen sein Bestes zu geben, unterstützte ihn das Publikum durch tosenden Beifall  und andauernde Standing – Ovations.  Wie auch schon bei Dennis Schober zuvor, liess auch hier das Orchester die gefühlvolle Seite der Songs scheinen, die sonst im kraftvollen Sound eher die “ 2. Geige spielen“ .  Als er sich zuletzt dann im Rollstuhl hochstemmte und an einem Bühnengeländer hochzog um den letzten Song im Stehen zu intonieren,  standen schon im Hintergrund seine Bandkollegen mit den Krücken zur Stelle und das Publikum feierte ihn mit Standing Ovations bis er glücklich strahlend und erschöpft von der Bühne humpelte. 

Martin Engler - Mono Inc.  stehend beim letzten Song.
Martin Engler – Mono Inc. stehend beim letzten Song.

Auch für uns war damit ein bewegendes Konzert Wochenende zu Ende, und die schwarz gekleideten Massen strömten hinaus in die dunkle Leipziger Nacht wo sie sich in alle Richtungen verloren. Wir 5 Freunde gönnten uns ganz Stil-echt noch einen Absacker im Mephisto in der Mädler Passage.  

Übrigens: ich habe die Tage gelesen, wer nächstes Jahr auf dem Programm steht mmhmmmm…… 

    

 

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